Cannabis-Blätter hängen,
vergilben oder haben Flecken

Die Ursachen überschneiden sich — entscheidend ist, woran du sie auseinanderhältst. Jedes Symptom mit dem, was es von den anderen unterscheidet.

Stand: · Schädlingsmerkmale nach LWG Bayern und Pflanzenschutzdienst

Fass die Erde an, bevor du gießt.

Der mit Abstand häufigste Fehler an Cannabispflanzen ist zu viel Wasser — und weil hängende Blätter wie Durst aussehen, wird als Erstes nachgegossen. Genau das macht es schlimmer. Ist die obere Erdschicht noch feucht, ist Gießen nie die Antwort.

Die Cannabis-Blätter hängen herunter

Die Blätter klappen vom Stiel weg nach unten, wirken schlaff und verlieren ihre Spannung. Die Farbe ist zunächst normal.

In den allermeisten Fällen zu viel Wasser — nicht zu wenig.

Schemazeichnung zweier hängender Cannabis-Blätter im Vergleich: links prall und fest mit nach unten eingekrümmten Spitzen bei zu viel Wasser, rechts dünn und papierartig bei zu wenig Wasser.
Schemazeichnung, kein Foto — sie zeigt das Muster, nicht einen Einzelfall.
  1. 1Zu viel Wasser

    Die Erde ist auch zwei bis drei Tage nach dem Gießen noch feucht, der Topf fühlt sich schwer an. Die Blätter hängen, sind dabei aber prall und fest, fast gummiartig. Häufig krümmen sich die Blattspitzen nach unten ein.

    Nicht gießen, bis die obere Erdschicht abgetrocknet ist — bei einem kleinen Topf dauert das ein bis drei Tage. Prüfe, ob unten Wasser ablaufen kann; steht der Topf in einem vollen Untersetzer, kipp ihn aus. Ein zu großer Topf für eine kleine Pflanze ist die häufigste Ursache dahinter.

  2. 2Zu wenig Wasser

    Die Erde ist trocken und hat sich womöglich vom Topfrand gelöst, der Topf ist auffällig leicht. Die Blätter hängen dünn und papierartig herunter, nicht prall — das ist der entscheidende Unterschied zum Übergießen.

    Langsam und in mehreren Gaben gießen, bis unten etwas abläuft. Ist die Erde stark ausgetrocknet, nimmt sie Wasser zunächst kaum an; dann den Topf für zehn Minuten in eine Schale mit Wasser stellen. Die Pflanze steht meist binnen weniger Stunden wieder.

  3. 3Zu warm oder Lampe zu nah

    Nur die oberen, der Lampe zugewandten Blätter hängen, die unteren stehen normal. Oft rollen sich die Ränder nach oben ein, wie ein Kanu.

    Abstand auf 30 bis 50 cm bringen und die Temperatur auf 22 bis 26 °C senken. Starke LEDs lieber herunterdimmen als höher hängen.

    Pflegewerte je Phase
  4. 4Frisch umgetopft

    Das Hängen begann innerhalb eines Tages nach dem Umtopfen. Sonst ist alles unauffällig.

    Abwarten. Ein bis zwei Tage Hängen nach dem Umtopfen sind normal, solange die Wurzeln nicht beschädigt wurden. Nicht zusätzlich düngen.

Die Cannabis-Blätter werden gelb

Blätter verlieren ihr Grün — entweder gleichmäßig, nur zwischen den Blattadern, oder beginnend an den Spitzen.

Wo die Gelbfärbung anfängt, verrät die Ursache: unten heißt meist Stickstoff, oben eher Eisen oder pH.

Schemazeichnung dreier Gelbfärbungsmuster an Cannabispflanzen: unten beginnende gleichmäßige Vergilbung bei Stickstoffmangel, gelbe Felder zwischen grün bleibenden Blattadern bei falschem pH-Wert oder Magnesiummangel, und eine ausgebleichte oberste Blattetage unter der Lampe bei Lichtbrand.
Schemazeichnung, kein Foto — sie zeigt das Muster, nicht einen Einzelfall.
  1. 1Natürliche Alterung

    Nur die untersten, ältesten Blätter werden gelb, während oben alles kräftig grün nachwächst. In der späten Blüte betrifft es zunehmend mehr Blätter.

    Nichts. Die Pflanze zieht Nährstoffe aus alten Blättern ab, um sie oben einzusetzen. Gelbe Blätter am Ende der Blüte sind normal und kein Fehler.

  2. 2Zu viel Wasser

    Die Gelbfärbung tritt zusammen mit hängenden Blättern auf und die Erde bleibt lange feucht. Das ist derselbe Fehler wie oben, nur ein paar Tage später.

    Gießabstände verlängern, Drainage prüfen. Die vergilbten Blätter werden nicht wieder grün — entscheidend ist, dass der Neuaustrieb oben gesund ist.

  3. 3Stickstoffmangel

    Beginnt unten und wandert nach oben. Die Blätter färben sich gleichmäßig hellgrün bis gelb, auch die Blattadern. Betroffene Blätter fallen später ab.

    In der Wachstumsphase stickstoffbetont nachdüngen, mit halber Dosierung anfangen. In der Blüte ist ein gewisser Rückgang dagegen gewollt — dort zählen Phosphor und Kalium.

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  4. 4pH-Wert außerhalb des Fensters

    Mehrere Mangelbilder gleichzeitig, obwohl regelmäßig gedüngt wird. Gelb zwischen den Blattadern, während die Adern grün bleiben, ist das typische Bild.

    pH im Gießwasser auf 6,0 bis 6,5 einstellen und messen. Liegt er daneben, kann die Pflanze vorhandene Nährstoffe nicht aufnehmen — Nachdüngen verschärft das Problem dann sogar.

    Pflegewerte je Phase
  5. 5Lichtbrand

    Nur die oberste Blattetage direkt unter der Lampe, oft mit ausgebleichten, fast weißen Stellen und verbrannten Spitzen. Die unteren Blätter sind einwandfrei.

    Abstand vergrößern oder Lampe dimmen. 30 bis 50 cm sind der Richtwert.

Flecken oder Sprenkel auf den Cannabis-Blättern

Auf den Blättern sitzen helle Punkte, silbrige Streifen, braune Flecken oder ein weißer Belag. Die Blätter hängen dabei nicht — sie stehen normal.

Dreh ein Blatt um. Was du unterseits findest — Gespinst, Tiere, nichts — entscheidet die Diagnose.

Schemazeichnung dreier Fleckenmuster auf Cannabis-Blättern: feine hellgelbe Sprenkelung mit Gespinst an der Blattunterseite bei Spinnmilben, silbrig-graue nadelstichartige Streifen mit schwarzen Kotpunkten bei Thripsen, und mehliger weißer Belag bei Echtem Mehltau.
Schemazeichnung, kein Foto — sie zeigt das Muster, nicht einen Einzelfall.
  1. 1Spinnmilben

    Feine, hellgelbe Sprenkelung auf der Oberseite — und unterseits Gespinste mit weißen Häutungsresten. Die Tiere sind 0,3 bis 0,6 mm groß, gelb bis rotbraun, sitzen meist an der Blattunterseite und bevorzugen trockene Wärme. Ohne Lupe sieht man sie kaum; das Gespinst sieht man.

    Luftfeuchte anheben und Temperatur senken — trockene Wärme ist ihre Bedingung. Stark geschädigte Blätter abnehmen und im Restmüll entsorgen, nicht kompostieren. Befallene Pflanzen von den anderen wegstellen, Spinnmilben wandern.

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  2. 2Thripse

    Silbrig-graue, nadelstichartige Sprenkelung, die später graubraun wird und vertrocknet, dazu schwarze Kotpünktchen. Kein Gespinst — das ist der Unterschied zu Spinnmilben. Die Tiere sind 1 bis 2 mm groß, braun bis schwarz, sehr flink und springen bei Störung weg.

    Blaue Leimtafeln über den Pflanzen aufhängen, damit du den Befallsverlauf siehst. Stark geschädigte Blätter entfernen. Die Puppen sitzen im Substrat — die Erdoberfläche mit abdecken oder austauschen, sonst kommt die nächste Generation.

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  3. 3Echter Mehltau

    Mehliger weißer Belag auf der Blattoberseite, der sich abwischen lässt. Nicht zu verwechseln mit dem grauen, pelzigen Belag der Blütenfäule — der sitzt in der Blüte und lässt sich nicht abwischen.

    Luft in Bewegung bringen und die Bestände auslichten; Mehltau liebt stehende, feuchte Luft bei mäßiger Wärme. Befallene Blätter abnehmen. In der Blüte ist Vorsicht geboten — dort wird aus einem Pilzbefall schnell ein Ernteverlust.

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  4. 4Kalzium- oder Magnesiummangel

    Braune Flecken ohne Tiere und ohne Belag. Bei Kalziummangel sitzen sie auf jungen Blättern, oft mit verkrümmten Rändern; bei Magnesiummangel auf mittleren und älteren, mit gelben Feldern zwischen grün gebliebenen Adern.

    Zuerst den pH messen, nicht düngen: Beide Nährstoffe sind meist vorhanden, aber bei falschem pH nicht verfügbar. Passt der pH, gezielt nachgeben statt Volldünger erhöhen.

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Ein Mangelbild allein ist mehrdeutig. Erst Muster und Ort am Blatt zusammen bestimmen den Mangel — gelbe Felder zwischen grünen Adern heißen oben Eisen und in der Mitte Magnesium.

Bevor du düngst: pH messen. Die meisten Mängel sind Verfügbarkeitsprobleme, keine Mengenprobleme.

StickstoffN

Gleichmäßig hellgrün bis gelb, die Blattadern vergilben mit. Blätter fallen später ab.

Die ältesten Blätter zuerst, wandert von unten nach oben.

In der Wachstumsphase stickstoffbetont nachdüngen, halbe Dosis zuerst. In der Blüte ist ein Rückgang normal.

MagnesiumMg

Gelbe Felder zwischen den Adern, die Adern selbst bleiben grün. Später rostbraune Flecken darin.

Mittlere und ältere Blätter.

pH prüfen (6,0–6,5); Magnesium ist bei zu niedrigem pH blockiert. Erst danach gezielt nachgeben.

KalziumCa

Braune, verkrümmte Blattränder und Flecken; die Wachstumsspitzen bleiben zurück.

Die jüngsten Blätter — das Gegenstück zu Stickstoff.

Tritt oft bei sehr weichem Wasser oder zu hohem pH auf. Kalzium-Magnesium-Zusatz, aber erst den pH einstellen.

KaliumK

Blattränder und -spitzen trocknen ein und wirken verbrannt, oft mit gelbem Saum davor.

Ältere Blätter, von außen nach innen.

Nicht mit Lichtbrand verwechseln: Lichtbrand trifft nur die oberste Etage unter der Lampe, Kaliummangel die unteren.

PhosphorP

Dunkelgrüne bis bläuliche Blätter, rötlich verfärbte Blattstiele, sichtbar gebremstes Wachstum.

Ältere Blätter und die ganze Pflanze.

Häufig eine Folge von Kälte an den Wurzeln — Substrattemperatur prüfen, bevor du düngst.

EisenFe

Hellgelb zwischen grün gebliebenen Adern, fast weiß in schweren Fällen.

Der jüngste Austrieb oben — daran unterscheidest du es von Magnesium.

Fast immer ein pH-Problem, kein Mengenproblem: über pH 6,5 wird Eisen unverfügbar.

Die vollständige Übersicht mit den seltenen Mängeln steht im Beitrag zu Mangelerscheinungen. Dünger und Zusätze findest du in der Kategorie Dünger & Additive.

Eine Ferndiagnose bleibt eine Wahrscheinlichkeit.

Dieselben Blätter können zwei Ursachen haben, und oft kommen mehrere zusammen. Ändere deshalb immer nur eine Sache und warte zwei bis drei Tage ab — wer gleichzeitig weniger gießt, die Lampe verstellt und nachdüngt, weiß am Ende nicht, was geholfen hat. Und er weiß auch nicht, was er beim nächsten Mal anders machen muss.