Dein Steckling ist angekommen. Was in den nächsten zwei Tagen passiert, entscheidet darüber, ob aus der bewurzelten Jungpflanze eine kräftige Pflanze wird — oder ob sie in der ersten Woche stehen bleibt. Diese Anleitung führt dich vom Auspacken bis zum Übergang in die Blüte und benennt die Fehler, die in dieser Phase am häufigsten passieren.
Die ersten 48 Stunden: auspacken und akklimatisieren
Der Steckling kommt aus einer Klimaverpackung, in der es dunkel, warm und sehr feucht war. Ein direkter Wechsel unter eine starke Lampe ist der häufigste Fehler überhaupt — die Pflanze verliert dann über die Blätter mehr Wasser, als die jungen Wurzeln nachliefern können, und lässt die Blätter hängen.
Pack den Steckling deshalb sofort nach der Lieferung aus, aber stell ihn zunächst an einen hellen Platz ohne direkte Sonne und ohne starke Lampe. Halte die Luftfeuchtigkeit für die ersten ein bis zwei Tage bei 70 bis 80 Prozent. Ein Mini-Gewächshaus leistet das, eine übergestülpte transparente Tüte tut es genauso — einmal täglich kurz lüften, damit sich kein Schimmel bildet.
Nach drei bis fünf Tagen gewöhnst du ihn schrittweise an stärkeres Licht. Schrittweise heißt: die Lampe täglich ein Stück näher, nicht von einem Tag auf den anderen auf Endabstand.
Einpflanzen: Topf, Substrat, Tiefe
Ein bewurzelter Steckling braucht keinen großen Topf. Starte mit 0,5 bis 1 Liter und topfe um, sobald die Wurzeln den Ballen durchzogen haben. Ein zu großer Topf hält zu viel Wasser, und stehende Nässe ist für junge Wurzeln gefährlicher als kurzzeitige Trockenheit.
Als Substrat eignet sich vorgedüngte, luftige Anzuchterde. Setze den Steckling so tief, dass der Wurzelballen vollständig bedeckt ist, aber der Stängelansatz frei bleibt. Drücke die Erde nur leicht an — verdichtetes Substrat bekommt keine Luft an die Wurzeln.
Welches Substrat für welchen Aufbau passt, steht ausführlich in unserem Beitrag zur idealen Erde für Cannabis-Stecklinge. Wer ohne Erde arbeiten will, findet die Alternativen im Leitfaden für Hydroponik.
Licht in den ersten Wochen
In der Wachstumsphase sind 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit der bewährte Rhythmus. Entscheidend ist in den ersten Wochen nicht die Leistung, sondern der Abstand: Zu nah verbrennt die jungen Blätter, zu weit weg lässt die Pflanze lang und dünn werden.
Halte anfangs deutlich mehr Abstand als die Herstellerangabe für ausgewachsene Pflanzen vorsieht und verringere ihn über zwei Wochen. Details dazu im Beitrag Optimale Beleuchtung für Cannabis-Stecklinge.
Gießen: der häufigste Fehler
Junge Stecklinge werden weit öfter ertränkt als vertrocknet. Die wenigen Wurzeln nehmen kaum Wasser auf; bleibt das Substrat dauerhaft nass, faulen sie.
Gieße sparsam und erst, wenn die oberen zwei Zentimeter Substrat trocken sind. Ein einfacher Test: Topf anheben — fühlt er sich noch schwer an, ist genug Wasser da. Wasser mit Zimmertemperatur verwenden, kaltes Wasser bremst das Wurzelwachstum. Die ausführliche Anleitung zum Gießen von Hanfstecklingen geht auf pH-Wert und Wassermenge im Detail ein.
Nährstoffe: wann anfangen
In den ersten sieben bis zehn Tagen braucht ein Steckling keinen Dünger. Vorgedüngte Anzuchterde enthält genug, und junge Wurzeln reagieren empfindlich auf zu hohe Salzkonzentrationen — verbrannte Blattspitzen sind fast immer eine Überdüngung, keine Unterversorgung.
Beginne danach mit einem Viertel der auf der Flasche angegebenen Dosis und steigere langsam. Welche Nährstoffe junge Pflanzen tatsächlich brauchen, steht in Beste Nährstoffe für junge Hanfpflanzen.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Nach der Akklimatisierung fühlt sich die Pflanze bei 20 bis 26 °C am wohlsten. Die Luftfeuchtigkeit darf von den anfänglichen 70 bis 80 Prozent auf 50 bis 60 Prozent sinken. Eine leichte Luftbewegung stärkt den Stängel und beugt Schimmel vor — ein kleiner Ventilator, der nicht direkt auf die Pflanze zielt, genügt. Mehr dazu unter Optimale Bedingungen für Hanfstecklinge.
Von der Wachstums- in die Blütephase
Ein Steckling ist genetisch bereits ausgewachsen und kann früher in die Blüte als eine Pflanze aus Samen. Sobald sie kräftig genug ist und den Topf durchwurzelt hat — meist nach drei bis vier Wochen — stellst du auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit um.
Die Pflanze streckt sich danach noch einmal deutlich. Plane diesen Zuwachs beim Abstand zur Lampe von vornherein ein.
Häufige Fehler in den ersten Wochen
- Zu viel Licht zu früh. Hängende Blätter am ersten Tag sind fast immer ein Lichtschock, kein Wassermangel — und werden durch Gießen schlimmer.
- Zu viel Wasser. Dauerhaft nasses Substrat erstickt die Wurzeln.
- Zu großer Topf. Er speichert Wasser, das die kleine Wurzel nicht abruft.
- Dünger von Tag eins. Verbrannte Blattspitzen statt schnelleres Wachstum.
- Zugluft statt Luftbewegung. Ein direkt angerichteter Ventilator trocknet die Blätter aus.
Häufige Fragen
Mein Steckling lässt nach der Lieferung die Blätter hängen — was tun?
Das ist in den ersten Stunden normal und meist ein Lichtschock. Weniger Licht, hohe Luftfeuchtigkeit, nicht zusätzlich gießen. In der Regel richtet sich die Pflanze binnen 24 bis 48 Stunden wieder auf.
Wie lange dauert es, bis der Steckling anwächst?
Sichtbares neues Wachstum zeigt sich meist nach fünf bis zehn Tagen. Bis dahin arbeitet die Pflanze unter der Erde an den Wurzeln.
Muss ich den Steckling sofort umtopfen?
Nein. Lass ihm nach der Lieferung zwei bis drei Tage Ruhe und pflanze ihn dann in seinen ersten Topf. Umtopfen unter Stress kostet zusätzlich Zeit.
Brauche ich eine Growbox?
Nicht zwingend. Eine Growbox macht Temperatur, Licht und Geruch kontrollierbar, aber ein heller Raum ohne direkte Mittagssonne funktioniert für die ersten Wochen ebenso.
Sind die Stecklinge wirklich alle weiblich?
Ja. Stecklinge sind Klone einer weiblichen Mutterpflanze und damit genetisch identisch mit ihr — anders als bei regulären Samen entfällt das Aussortieren männlicher Pflanzen.
Passende Sorten
Alle verfügbaren Sorten findest du unter Hanfstecklinge; wer gezielt sucht, wird bei THC-Stecklingen oder CBD-Stecklingen fündig. Alle Stecklinge sind bewurzelt, weiblich und werden in Klimaverpackung versendet.
Rechtlicher Rahmen
Für den privaten Eigenanbau in Deutschland gilt: höchstens drei Cannabispflanzen gleichzeitig, unabhängig davon, ob sie blühen (§ 9 Abs. 1 KCanG). Die Weitergabe an andere ist auch unentgeltlich nicht erlaubt.
- § 9 Abs. 1 KCanG · abgerufen 2026-09-10
- § 2 Abs. 1 Nr. 7 KCanG (Weitergabeverbot) · abgerufen 2026-09-10
Stand: 2026-09-10




